Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke

Neubau und Sanierung


Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, 1969 eröffnet, ist das erste anthroposophisch ausgerichtete Kranken­haus in Deutschland. 2016 entstand im Rahmen eines Planungsgutachtens zum Neubau und zur Sanierung des Kranken­hauses der Entwurf von a|sh, der den 1. Preis erhielt. Die Leitidee des anthroposophischen Kranken­hausentwurfs - Natur und Licht treten in einen bewussten Dialog. Das neue Haus dreht und wendet sich. Eine neue charak­teristische Grundfigur – die Endlosschleife ist geschaffen. Im Mittelpunkt steht der Mensch und das Miteinander von Patient, Personal und Besucher.
Technische Daten

Standort: Herdecke
Vergabe: 1. Preis Planungsgutachten und Auftrag 2016
Projektzeitraum: 2016 - 2025
Bauherr: Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke gGmbH

Das Gebäude erzeugt Bewegung, gibt Orientierung und schafft so einen sozialen Raum. Mit der Maßgabe „keiner schaut nach Norden“ orientieren sich die Pflegezimmer in Richtung Osten, Westen und Süden zur Landschaft. Das große Volumen wird in drei Pflegeebenen und zwei Klinikebenen über die Vertikale gegliedert und so in eine menschliche Dimension übergeführt. Die Figur der Endlosschleife erzeugt neben der Analogie zu einer Doppelacht eine prozessoptimierte innere Erschließungsstruktur mit kurzen Wegen, Umläufen und Kommunikationszonen an den Kreuzungspunkten.

Der fließende und zurückspringende Raum der Sockelebene entlang des Gerhard-Kienle-Wegs betont sowohl die Zufahrt zur Notaufnahme als auch den neuen Haupteingang. Die Zugänge werden intuitiv auffindbar. Das Obergeschoss steht über dem Basisgeschoss hinaus. Das schafft ein Vordach im Außenbereich und betont die Räume für die Forschung und den multifunktionalen Saal im Innern.

Die Wege und Räume im Inneren ermöglichen einen wirtschaftlichen Betrieb eines neuen zukunftsweisenden Kranken­hauses und fördern gleichsam das soziale Miteinander. Das zweigeschossige Foyer empfängt den Besucher wie ein Marktplatz. Hier werden alle öffentlichen Räume, wie das Café, ein Bücherladen, eine Dauerausstellung und die Räume für Konferenz und Forschung im 1. Obergeschoss, erschlossen. Im Erdgeschoss wird über die Ergotherapie zudem eine neue Verbindung zur Therapiehalle im Bestand geschaffen.

Entlang der Haupterschließung erreicht man die intensivmedizinischen Bereiche (IC, IMC, OP). Das 2. bis 4. Obergeschoss dient der „Privatheit“ der Stationen. Das Prinzip der Endlosschleife ermöglicht über ein Rundlaufsystem auf allen drei Ebenen kürzeste Wege und ein betriebsoptimiertes ‚Floaten’.

Im Rahmen des Entwurfes sind folgende Bauphasen angedacht. In der ersten Phase werden die Stationen der Kinderpsychiatrie, Pädiatrie und der Privatpatienten realisiert. Der 2. Realisierungsabschnitt beinhaltet die allgemeinen Stationen, sowie die Gynäkologie. Die Psychiatrie und die Früh-Reha werden im 3. Realisierungsabschnitt vorgesehen.

Die verwobenen Metallblechlisenen in den unteren beiden Klinikebenen sowie die verwinkelten Betonfertigteile der Pflege­geschosse artikulieren den anthroposophischen Ansatz zeitgemäß und lösen die Großform in einen menschlichen Maßstab auf. Die Funktions­geschosse entwickeln sich aus dem bestehenden Gelände und nehmen das Thema der Landschaft „Gräser und Hölzer“ in einem ersten Fassadenentwurf auf. Beton im Außenbereich und Holz im Innern erzeugen eine harte Schale mit weichem Kern.