Lörrach Außenaufnahme

Auf der Zielgeraden: Wie aus einer Großbaustelle ein Klinikum wird

Wer sich in Deutschland mit dem Thema Gesundheitsbau beschäftigt, hat früher oder später schon einmal was von dem neu entstehenden Gesundheitscampus in Lörrach gehört. Zweistufiger offener Planungswettbewerb 2017, VgV-Verfahren 2018, seither laufen die Planungen auf Hochtouren: Am Stadtrand von Lörrach entsteht Schritt für Schritt der Neubau für das Zentrum für seelische Gesundheit und das das Zentralklinikum Lörrach – heute Dreiland-Klinikum.  

Lange war vor allem die Dimension dieser Großbaustelle sichtbar. Jetzt ist ein Moment erreicht, an dem sich mehr erkennen lässt als Größe und Bautätigkeit. Mit dem Zentrum für seelische Gesundheit ist ein erster Baustein bereits fertiggestellt und wird in Betrieb genommen. Auch das Dreiland-Klinikum nimmt mehr und mehr Gestalt an; sein späterer Charakter wird an vielen Stellen bereits spürbar. Zugleich zeigt sich das Gebäude noch von einer Seite, die mit der Fertigstellung verschwindet: technisch, offen, stellenweise roh. Genau dieser Zwischenstand macht den Blick auf die Baustelle so besonders. Gelegenheit dazu gibt es am 20. und 21. Juni 2026: Dann lädt das Dreiland-Klinikum zum Tag der offenen Baustelle ein.

Ein Campus nimmt Gestalt an 

Aus der Distanz wirkt das Dreiland-Klinikum noch immer wie eine Großbaustelle – beim Ankommen zeigt sich bereits erstaunlich gut, wie der Campus später funktionieren wird. Die Anbindung an den regionalen Individualverkehr nimmt mehr und mehr Gestalt an, der Kreisel und das erste Straßenstück sind fertig. Die Liegendkrankenvorfahrt ist betriebsbereit und Teile der Außenanlagen sind angelegt, erste Bäume gepflanzt und auch der Vorplatz ist so weit gefasst, dass nicht nur seine Dimension, sondern auch seine Atmosphäre schon jetzt spürbar wird. Die Fassade ist nahezu abgeschlossen, der Haupteingang fällt bereits deutlich ins Auge.  
Von außen ist das Gebäude damit längst nicht mehr nur Baustelle, sondern ein Haus mit klarer Adresse und erkennbarem Charakter. Auch jenseits der Erschließung ist dieser spätere Charakter bereits gut ablesbar: an der großen Fensterfront der Cafeteria und dem sonnigen Außenbereich ebenso wie am zentralen Innenhof, in dem künftig eine Besucherterrasse entsteht. Beides zeigt, dass hier nicht nur ein funktionaler Klinikbau wächst, sondern auch ein Ort mit hoher Aufenthaltsqualität. 

Ankommen im neuen Klinikum 

Dieser Eindruck setzt sich im Inneren fort. Schon die Eingangshalle lässt erkennen, wie das Ankommen im Haus später organisiert sein wird. Ihre Dimension ist bereits spürbar, der Empfang in Sichtbeton hebt sich deutlich ab; zugleich lässt sich erahnen, wo später Wartebereiche, Anmeldeboxen und Sitzgelegenheiten die zentrale Anlaufstelle für Patient:innen und Besucher:innen bilden werden. Räume öffnen sich, Wege zeichnen sich ab, Blickachsen sind angelegt. Vieles ist noch nicht fertig, und doch wirkt die räumliche Ordnung bereits erstaunlich klar. Das gilt auch für den Weg zur Zentralen Notaufnahme. Schon jetzt wird erkennbar, wie Patient:innen und Besucher:innen künftig im Ernstfall dorthin geführt werden – später zusätzlich unterstützt durch ein klares Leitsystem und visuelle Orientierungshilfen. Die räumliche Struktur der Zentralen Notaufnahme wurde während der Bauzeit auf Grundlage neuer Erkenntnisse zur Betriebsorganisation nochmals überarbeitet. Statt vieler kleiner Räume entsteht hier nun eine große Leitstelle mit optimalen Überwachungsmöglichkeiten, ergänzt durch kleinere Untersuchungsräume für besondere Situationen in unmittelbarer Nähe. Schon jetzt ist erkennbar, dass hier Abläufe neu gedacht und konsequent auf eine funktionale, effiziente Patientenversorgung ausgerichtet wurden. Wie grundlegend diese Neuordnung ist, zeigt sich auch vor Ort: Im Inneren nimmt die Notaufnahme nun nach und nach Gestalt an – noch mitten im Ausbau, aber bereits klar auf die künftigen Abläufe ausgerichtet. 

Ein Blick in die Patientenzimmer 

Ein besonders konkretes Bild des späteren Klinikalltags entsteht in den oberen Geschossen des Nordflügels. Während die beiden anderen Flügel im Ausbau noch nicht so weit fortgeschritten sind, lässt sich hier bereits an mehreren Stellen ablesen, wie hier künftig gepflegt, versorgt und gearbeitet wird. Im 3. Obergeschoss entsteht die chirurgische Pflegestation; dort sind bereits mehrere Patientenzimmer fertiggestellt. Im 5. Obergeschoss geben die Wahlleistungszimmer, darunter ein schon jetzt vollständig möbliertes Zimmer, einen sehr konkreten Eindruck davon, wie Patient:innen die Räume später erleben werden. Besonders deutlich zeigt sich der fortgeschrittene Ausbauzustand auch beim Blick in die Patientenbäder: Sie sind bereits komplett fertig – und das nicht nur in den schon weit ausgebauten Bereichen. Möglich wird das durch Vorfertigung. Die Fertignasszellen wurden nach den spezifischen Anforderungen an Ausstattung, Funktion und Hygiene geplant, zunächst als Prototyp entwickelt und anschließend vollständig vorgefertigt. Produziert in Südtirol, wurden sie per Autokran an die vorbereiteten Stellen im Gebäude gehoben und eingebaut. Aus der Großbaustelle wird hier ein Gebäude, dessen künftige Nutzung nicht mehr nur gedacht, sondern an vielen Stellen bereits gesehen werden kann. Und doch bleibt der Eindruck an anderen Stellen unverkennbar baustellig. 

Gerade darin liegt eine Besonderheit dieses Bauzustands auf der Zielgeraden zur Fertigstellung. Was auf den ersten Blick noch unfertig wirkt, gehört in einem Krankenhaus oft längst zum entscheidenden Teil des Innenausbaus. Denn bevor Bodenbeläge, Türen und Oberflächen einem Gebäude seinen fertigen Eindruck geben, entstehen im Hintergrund jene hochkomplexen technischen Systeme, die den späteren Betrieb überhaupt erst möglich machen. 

Das technische Rückgrat des Gebäudes 

Dazu gehören vor allem die Lüftungsanlagen, aber auch die Wärme- und Kälteversorgung, Haupt- und Notstromversorgung sowie zahlreiche Installationen für Sicher­heit und Medizintechnik. In einem Haus wie dem Dreiland-Klinikum ist dieser technische Ausbau kein Nebenschauplatz, sondern das eigentliche Rückgrat des Gebäudes. Was noch roh erscheint, ist deshalb oft nicht Vorstufe, sondern bereits ein wesentlicher Teil des Ausbaus. Alles andere ist, zugespitzt gesagt, der Feinschliff.  

Was diesen Zwischenstand auszeichnet, ist die seltene Gleichzeitigkeit von fast fertigen Räumen und noch offenliegender technischer Infrastruktur. Auch die Wege in die oberen Geschosse erzählen davon. Treppenhäuser, die später vor allem dem Personal oder dem Notfall dienen, wirken deutlich technischer und roher als die spätere öffentliche Erschließung. 

Auch im OP-Bereich ist noch sichtbar, wie viel Vorbereitung nötig ist, bevor hier einmal Routine einkehren kann: Glaspaneele und Aussparungen für die technische Infrastruktur sind bereits eingebaut, die Installationsflächen – insbesondere für die Lüftung – vorbereitet. Gerade hier ist der technische Aufwand besonders hoch, nicht zuletzt wegen der strengen Hygieneanforderungen. Das zeigt sich auch an dem eigens dem OP zugeordneten Technikbereich direkt über dem OP, der nahezu fertiggestellt ist und ebenso viel Fläche einnimmt wie der OP selbst. Über den Flur zur Sterilgutvorbereitung wird nachvollziehbar, wie eng räumliche Planung, technische Infrastruktur und medizinische Abläufe ineinandergreifen. Sichtbar wird damit nicht nur ein Gebäude im Werden, sondern die innere Logik eines Kranken­hauses – in einer Offenheit, die mit der Fertigstellung nach und nach verschwindet.  

Der Reiz des Baustellenmoments 

Selten lässt sich ein Krankenhaus in einem Stadium erleben, in dem seine spätere Nutzung bereits so klar erkennbar ist und zugleich noch sichtbar bleibt, wie viel planerische, bauliche und technische Präzision hier zusammenkommt. Genau darin liegt der besondere Reiz des Tags der offenen Baustelle: Er macht einen Zwischenstand zugänglich, der nur für kurze Zeit existiert.  

Wer das Dreiland-Klinikum jetzt besucht, sieht nicht nur, wie aus einer Großbaustelle ein Klinikum wird, sondern auch, welcher Aufwand nötig ist, damit hier später beste Bedingungen entstehen, für Patientinnen und Patienten ebenso wie für die Menschen, die hier arbeiten. Bis zur Fertigstellung wird das Gebäude schrittweise übergeben und in Betrieb genommen. Dann verschwindet vieles von dem, was den Bau heute so aufschlussreich macht – und genau deshalb ist dieser Blick hinter die Kulissen gerade jetzt so besonders.  

Bildnachweis Titelbild: © Maurice L. Kubitschek